Der Spinnengott
 

In dem Mantel tiefster Sorgen,
leb ich hier verborgen,
umringt nur von der dunklen Sphären,
die weder Alt noch Neu begehren.

Dennoch kam die späte Stunde
und spie aus ihrem großen Munde,
an diesem heilig ruhigen Orte hier,
ein uralt großes Spinnentier.

Und mit zynisch lautem Hohn,
sprach ES ohne jeden Ton:
"Mußt sie fangen im Verlangen,
lass sie zahlen für die Qualen."

Achtfach ruhen auf mir tote Augen
und um zu sehen was sie taugen,
werf ich schwarzes Ding in jene Richtung,
aus welcher kam die schlechte Dichtung.

Doch ohne Regung lauert es in naher Ferne,
nur in bösen Augen funkeln dunkle Sterne.
Erneut ertönt die stille Stimme
und bändigt wieder meine Sinne.

"Hast gerufen um zu suchen,
ihre Leiden und ihr scheiden.
Willst sie sehen und verstehen,
sehnst nach Leben und dem Streben."

Lautlos rinnt der kalte Schweiß,
ohne das ich Gründe dafür weiß,
hinunter an den alten Narben,
nachdem die schallend Wort erstarben.

Kühle Luft erhitzt mein Blut
und ohn zu wissen was es tut,
erahn ich dünner Fäden hier,
welche ruhend webt das Spinnentier.

"Vielen Menschen bin ich Spott,
doch allen anderen bin ich Gott,
drum lass flüchten sie vor ihren Süchten
und in großen Fluten sie verbluten."

Diese Worte wecken dunkles Sinnen,
so wie gewollt vom Herr der Spinnen,
welcher schreitet nun heran,
ohne das ich flüchten kann.

Heißer Atem schlägt mir ins Gesicht
und erdrückt mein altes Augenlicht,
welches lange ruhte auf dem Tier,
das getrieben nur von Gier.

"Werde Teil nun meiner Macht
und gewinne künftig jede Schlacht.
Vernichte jeden deiner Feinde
und komme mit dir selbst ins Reine."

Mein Herz kennt der Versuchung Preis
und auf sein inneres Geheiß,
entflammt die Luft um meinen Leib
wie ein altes trockenes Scheit.

Doch ohne Furcht und ohne Schrecken
beginnt der Gott die Hände sich zu lecken.
"Dein Wut und Hass liegt offen dar,
nun nehme ihre Kräfte wahr!"

Der ganze Raum steht nun in Flammen
und die Dunkelheit muss bangen,
um ihr weitres Fortbestehen
welches ist nicht mehr zu sehen.

Endlich strömt nun Kraft in meine Glieder
und mein Inneres lebt nun wieder.
Der Arm holt aus zum weiten Schlage,
welchen ich nun endlich wage!

Die Phobie wird hingerafft,
mit eines Flammendolches Schaft,
gezeugt nur durch meines Willens Kraft,
welcher ist hier die höchste Macht.

Die Luft erstarrt in kurzer Zeit.
Nun bin ich von mir selbst befreit.
Drohend schweben Gottes letzte Worte:
"Ich finde dich an jedem Orte!"