Der Stift
 

Schnell und gierig streifen meine Blicke über den Asphalt. Ein jeder Tag birgt neue Suche, jede Suche neue Fünde. So folge ich dem Wege meiner Augen, und alles was sie sehen, will ich glauben. Ein jedes Ereignis teilen sie mir mit und erkennen neue Kleinigkeiten mit jedem Schritt.
So auch jetzt, wie ich entzückt ersehe! Ein kleiner Stift, welch große Freude. Bedächtig pirsch ich mich hinan, auf das er nicht mehr flüchten kann! Umring ihn nach der alten Kunst und werbe um des Fundes Gunst.
Er ist umzingelnt! Er ist umstellt!
Rasch greif ich ihn und führ ihn meinen Augen vor. 10 Zentimeter mißt die Länge, ein viertel nur die Breite. Hartes Holz, schon ganz alt, gezeichnet von den Zähnen anderer Menschen. Rote Farbe klebt daran.
Sofort erheben sich die Geister, wirren schnell und werden Leister tiefer Gedankengänge, welche erforschen des Stiftes Schicksalsstränge. Ein wechselhaftes Leben muß er haben, an Erfahrung scheint er sich zu laben, lag ganz keck und ohne Scheu, auf des Boden asphalernen Heu!
Vielleicht hat er noch mehr Spuren hinterlasse, wie konnt ich nur die Umgebung nicht erfassen? Ganz perplex werd ich von dieser Sünde, welche hoffentlich nicht in einer Katastrophe münde! Schnell ihr Augen sucht nach Wegen, sucht nach Spuren und nach Leben!
Da! Erfolg verkünden mir die Weltenseher - ein Wesen liegt gleich dort, neben des heiligen Stiftes Fundesort. Scheint mir durch Zufall dort zu leben, doch die Höfflichkeit verlangt, dass ich mich für den Fund bedank. So richte ich nun wohl bedacht, langsam, deutlich Worte an das Menschlein, welches kauernt und ganz klein, am Boden dieser Gegend liegt. Doch nur Schweige ist die Reaktion...
Ein wenig enttäuscht von dieser Menschenfrau, halte ich weiter nach anderen Spuren ausschau, welche erklären des Stiftes Wege auf das ich ihm zum Heimweg rege. Doch plötzlich stört das Weibchen dort, welches liegt in einen roten Lachenhort. "Einen Arzt" stöhnt es hinaus. Oh welch Graus und Freundesschrei! Ein Arzt, ein Arzt ist sein Besitzer! Doch halt! Was für ein Arzt? Ich frag sofort das Menschentier, doch ist es wieder reglos gegenüber mir. Es will mich wohl auf eine Probe stellen und liegt einfach weiter auf den winzig Bodenwellen.
Nun gut, so soll es denn geschehen. Der Stift wird nicht vergehen, bevor ich seinen Besitzer finde und den Verlust ganz linde, durch das Wiederfinden unterbinde! Ruhelos werd ich durch all die Gassen streifen, durch die der Armen und der Reichen. Werd folgen all der Stifteswegen bis ich ihn kann in seine Heimat legen.
So eil ich los, vergeß den Dank, an Menschleins große Intoleranz und müh mich sehr, mein neues Lebensziel zu füllen. Ist es nicht schön, Zufriedenheit und Wärm im Herz zu fühlen?