Stummes Liebesschicksal
 

Ich war alleine... ganz alleine... verhasst... aus angst...
Ihre stummen Blicke folgten meinem Weg... doch sie vermieden, dass sie jemals die meinen trafen... angstvoll wichen sie zurück, wenn ich einen Schritt auf sie zu tat...
Niemals habe ich ihnen ein Leid angetan.... Doch habe es nur von ihnen Erfahren... ihr Hass versankt tief in meinen innersten und ich begann mich vor ihnen zu verstecken, als ich merkte, dass die flammende Wut meinen Geist erfaßte, mit jeden Blick, den sie weiter von mir wichen... unbändige Aggressionen erfassten mich und ich wich zurück in die einsamkeit der dunkelheit... fernab von dem, was sie als lebensinhalt hielten...
doch der selbstschutz, der sie am leben hielt, war ein weiteres verhängnis... er machte mich einsam... selbst die seelenverwanden mied ich... aus angst, ihnen etwas zu tun... und diese angst war berechtigt! im dunkel, ungesehen nahm ich an ihren leben teil... begleitete sie auf ihren lebenswegen, ohne das sie jemals meine nähe spürten... wenn ihr angstvoll herz sich misstrauisch umsah und ihre stummen augen ihre dunkle welt absuchten, so verschwand ich in dem dunkel, vor dem es selbst ihnen graute... ich war alleine in den welten vieler... die einsamkeit mein stummer begleiter... nur der tod wandelte noch hinter mir... behendend wartend... und jedesmal wenn ich mich umsah, in seine hohlen augen, so spürte ich, wie ein weiteres stück von mir starb... meine zeit verging... und ich sah mir selbst beim sterben zu...
in der einsamkeit verbannt, unzählige male sie verhasst... doch dann eines tages war sie da... als dämon ungeheurer liebevoller weiblichkeit erschien sie meinen alten augen... ich wich vor ihr zurück, doch mit jeden schritt, der mich von ihr trug, trat ich an sie heran... ihr körper war lieblich... schlank... jeder mann hätte sich um sie gerissen... doch dem hatte ich schon lange entsagt...
diese vertraute nähe, lies mich vergessen, dass ich glaubte zu sehen, wie ein paar flügel auf ihren rücken verschwanden... ihre zärten hüllen waren von engen lack eingegrenzt... jede noch so kleine sillouette konnte man sehen... ohne angst in den augen... mit festen, entschlossenen blick kam sie immer näher... und ich wich zurück, bis ich im dunkel an die grenzen stieß...
ich sank zu boden... müde um des lebenskampf... einen kurzen augenblick verweilte sie... mit neugierigen blicken marterte sie meinen leib... und dann trat sie weiter auf mich zu... kniete sich über mich... nahm mich in ihre arme...
längst vergessene wärme durchfloss meinen körper... ein schon beinahe unbekanntes verlangen durchfloss meinen adern und wie im wahn trafen sich unsere lippen... das erste mal seid unendlichen zeiten strömte etwas glück in meine adern...
unsere körper schlangen sich umeinander und verschmolzen... nach unbändigen liebesspiel vieler stunden ergriff mein geist die herrschaft über mich zurück... neben mir lag der nackte liebliche leib, den ich so eben genoß... ihre lippen so schmal und blutrot, zu einem lächeln auf das gesicht gelegt... ein kleiner blutstropfen ran von ihnen... fiel unendliche tiefen und schlug unendlich laut und denoch stumm auf den boden auf...
nun verstand ich... der schale liebestaumel hatte seinen preis... ich war von nun an ihr besitz... viele nächte wiederholte sich das spiel... mit jedenmal wurde ich schwächer... der letzte willen schien zu brechen und der körper tat kaum noch seinen dienst....
im letzten akt der verzweiflung wich ich zurück... versuchte zu fliehen... vor ihr... vor mir... doch egal, wo ich mich verbarg, sie stand stehts vor mir... egal wohin ich floh, sie war stets dort... und wieder drangen ihre spitzen zähne tief in meinen hals um etwas rotes lebensquell ihr zu bringen... um uns weiter zu verschmelzen... und wärend sie genußvoll ihre zähne in meinen hals rammte um von mir zu kosten, so suchten meinen augen stumm und angstvoll, all das ungesehene ab... und wieder trafen sie die hohlen augen meines ewgen begleiters... und wie im wahn ergriff meine hand seine klaue... wie im wahn der erlösung selbstherbeigeführter schmerzen, berührte sie fest und voller erwartung diese knochige hand...
das letzte leben strömte aus meinen körper... starr vor schreck lies sie mich sinken... der preis war bezahlt... doch in den letzten atemzügen meines lebens reute ich... hinter ihren händen, die ihr lieblich gesicht versteckten, verbarg sie bitterliche tränen... und erst jetzt erkannte ich... geboren aus lebensgier, verhasstens lebens ward sie geboren... mit mir starb sie... sie war ein teil von mir... mit letzter kraft zerrte ich mich in ihre arme... ihre tränen aus blut vielen auf mein gesicht.... und ein letztes mal trafen sich unsere lippen... doch erst jetzt spürte ich, dass sie nicht meine lippen küsste, sondern meine seele... und ihre tränen verbanden sich mit meinen... die sekunden meines lebens strömten dahin... so wie unsere tränen... beim kuss, der immer noch nicht geendet, verschmolzen nicht nur unsere lippen, sondern unsere körper... der tod hat schon lange meine hand fahren gelassen, doch ihre liebe hielt mich am leben... ich spürte, wie sie langsam verschwand... mit stummer trauerfreude verlor ich sie unendlich langsam... sie gab mir ihre liebe... und nun ihr leben...
seid diesen tag, an dem ich gestorben und geboren worde, fließt sie durch meine adern... erfüllt jeden teil meines körpers und ist verschmolzen mit meinen geist... egal wie alleine ich im dunkelsten der dunkelheit sein mag, so ist sie doch immer bei mir...
geboren aus mir selbst, verhalf sie mir zu neuer lebenskraft... nun wandle ich weiter meines weges...