Todgedanken
 

Im kalten Bette alter Leib sich barrte. Kein Zucken störte je sein Ruhn. Nur Geist im letzten Atemzuge, ergab sich dieser Tat. Sobald auch der Gedanken Leiter, fanden sich zum letzten Mal...

Verzweiflung: Was sollt ich anders tun in dieser letzten Stunde? Das geliebte Fleisch ruht tot in meiner Hand. Was ist der Sinn der Sterblichkeit, wenn unsre Lieb auf ewig weilt?

Sehnsucht: Es ist die Qual, die uns innerlich zerteilt!

Hass: Es ist der Trieb, der uns auf ewig treibt!

Verzweiflung: Was soll das Leben, wenn der Tod zu uns eilt? Was nützt die größte Eitelkeit, wenn wir bestattet all im selben Leichenkleid?

Sehnsucht: Es ist das Hoffen auf die alte Mehrsamkeit.

Hass: Es ist die Sucht, die andere an uns gleicht!

Verzweiflung: Wie sollt ich Leben ohne ihn? Wie soll die kalte Nebelluft in meine Lungen eilen, wenn das Herz den Tod erwählt? Soll schaffen dies ein alter Brauch?

Sehnsucht: Nein, die Liebe schafft das auch!

Hass: Vergeßt nicht meinen letzten Schnitt. Der Hass macht diesen letzten Schritt!

Verzweiflung: Du bist für wahr ein eitler Fratz! ICH führt die Klinge in den Leib! Ich erhobt mich übers Menschenkleid!

Sehnsucht: Ihr übertreibt in allen Bahnen! ICH sehnte mich nach diesem Ende! Drum führte ich den Leib nach Haus. Ein Graus ist eure Eitelkeit!

Verzweiflung: Dann seid bereit!

Hass: Ihr seid nicht recht gescheit...

Vernuft: Ich gab mein Leben führ in hin. Ihr streitet euch, was macht das Sinn? Das Ende naht, die Luft entweicht...

Menschlichkeit: Wir haben endlich es erreicht. Drum laßt ihn liegen, wir gehen heim! Er wird schon bald vergessen sein!

Alle: Ein weises Wort der Menschlichkeit. Wie´s sich gehört! Nun wird es Zeit... Trotz innersten Zerwurf wird letzter Weg in reiner Einsamkeit beschritten...
Ein letzter Rest bleibt nur zurück. Er sitzt da irgendwo im Schattenreich. Wenn kümmers was er so treibt? Auch er wird bald vergangen sein!

Schattengeist: Da geht des Menschen größte Dummheit hin. Ich bleib in dieser Einsamkeit. Für ihn war ich des Opfers bereit. Ich trennt mich von dem eigenen Sein. Das Leben fließt aus meinen Adern. Im Tode liegt er neben mir. Im Geiste sind wir ewig hier. Die letzte Träne netzt sein Leib. Nun zergeht die Menschlichkeit.