Wahnesnacht
 

Scheinbar bedächtig stand ich hier auf diesen Bergeshöhn. Um mich herum war Sturm und Wind. Grelle Blitze durchzuckten die tiefblauen Himmel. Doch was um mich herum in seiner vollsten Wildheit tobte, ward ähnlich in mir drin...
Der Wind, er greift nach mir, will mich nach vorne schleudern! Tiefste Schluchten liegen vor mir und keine Wille ist gewahrt sie nicht zu erkunden. Doch was spürt ich dort in mir?
SCHMERZ erklimmt den alten Körper, kriecht hinauf durch tiefste Wunden. Stechen! Ringen! Würgen! Kriechen! Ich spür ihn in mich dringen, zerreißen, nährt sich doch nur seinem Ziel... Des Geistes Wahn soll nun beginnen...
ANGST, komm herauf! Wahn beschwöret dich. Der Schmerz kam nach dir, nun wo bleibst du? Bist vor langer Zeit gegangen? Lässt mich hier allein, gefangen? Komm nun endlich und befreie mich aus unheilvollen Hoffen! Nun denn... dann weiche halt vor deines Gleichen... Denn dein Stellvertreter wird mir kund!
BANGEN erfaßt nun die Seele! Wild umher, so schweifen sie, die Augen! In die Leeren greifen, starre Hände, auf der hastigen Suche nach dem Halt. Doch bin ich allein auf diesen Klippenland. Weder Baum noch Sträucherseelen gesellen sich zu meines Gleichen. Was wird nun als nächstes folgen? Warte ab! Ich spür es schon...
HASS, so steige in mir auf! Bilder mögen mich umreißen, Schmerzenslaute mich zerreißen! Befalle altes Herz! Lass den Schmerz vergehen und vergebe ihn an meiner Art! Dumpfer Wahn vermisset dich! Ja! Das Herz zerrissen, so liegt es blutend vor mir dar. Visionen längst verdrängter Zeiten verrinnen in dem Strome eiskalten Wasser, nur gemischt mit warmen Lebensquell! Und wie der Hass den Geist erklommen, unheilvolle Tat wird verschwommen wahrgenommen...
BLUT, so fließe nun dahin. Kalte Klinge dich befreit! Doch dem Stahl ward es nicht bedarft. Zu viel sucht nach dem Entrinnen! Und so entsinnend euch nun fort!. Kaltes Regenwasser trägt euch dort. Winde werden euch begleiten, könnt auf ihnen durch die Welten reiten. Und so geht es nun dahin. Bleicher Leib bleibt nur zurück. Rote Fäden dünner Schmerzen erstrecken sich nun über Arm und Bein...
ZORN, dränge mich zurück! Lass nicht vernichten meiner Art. Qualvoller Wahn umhüllet dich, nun befreie mich! Wie konnte so etwas nur beginnen? Warum kann sich das alte Herz nicht mehr entsinnen? Nicht nur das Blut ist aus ihm geflossen, ein kaltes Tränenmeer wird auf es gegossen. Doch der alte Hass ist noch immer nicht gegangen. Im wilden Kampfe siegt er übers Herz! Alte Bilder sind verklungen, an dem Schmerzensschreie Scherz...
LEBENSHASS erfüllt seid ungedenken meine Weiten. Doch nun lasset ihn verbreiten! Kaltes Sinnen führt mich seiner Wege! Letztes Blut wird durch ihn rege! Und so sehe ich mich fallen, ein dumpfer Klang nur wird verhallen! Schmaler Stein, oh fange mich! Komm zu dir, ich preise dich!
Und wie der Augen letzter Blick durch Sturmesnachte streift, so legtet sich der innrere Wahn. Mit Klarheit wird vernommen, welch Wissen zuvor den Geist noch nie erklommen! Der Gefühle letzter Besucher kommt nur noch benommen...
REUE...
TOD...